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Medizinstudium in Zeiten von Corona

Die Hörsäle bleiben weiterhin leer.

Derzeit wird das alltägliche Leben in nahezu jedem Bereich durch die Corona-Pandemie eingeschränkt. Auch Studierende an den Universitäten und Hochschulen müssen sich erstmal auf ein komplett neues Lernkonzept einstellen. Besonders das Medizinstudium wird durch seinen großen Praxisanteil enorm beeinflusst. Wir haben den Medizinstudenten Florian Gierse von der Universität Münster getroffen und ihn gefragt, wie sich sein Unialltag durch das Virus verändert hat.

Wie geht deine Fakultät deiner Meinung nach mit der aktuellen Situation um?

F: Meiner Meinung nach geht die Universität bis jetzt sehr gut mit der Situation um. Sie haben es wirklich schnell geschafft alles so zu organisieren, dass alle Lehrveranstaltungen - außer die praktischen Kurse - in meinem Semester wie geplant stattfinden können. Alles wird über das Programm „Zoom" online mit den Studierenden durchgeführt, was bis jetzt reibungslos funktioniert. Ich glaube, dass Sie mit diesem Programm genau die richtige Entscheidung getroffen haben. Teilweise habe ich sogar das Gefühl, dass gerade die online Vorlesungen besser besucht werden als die regulären Veranstaltungen, weshalb man dieses Konzept vielleicht auch noch nach Corona beibehalten könnte. Das Programm ist einfach zu handhaben und auch die Anwesenheit, die in allen Seminaren, Kursen und Praktika vorausgesetzt wird, kann so gut kontrolliert werden. Auch unsere Bibliothek hat direkt auf online Lektüren umgestellt, sodass die meisten notwendigen Bücher auch von Zuhause verfügbar sind. Allerdings muss ich auch sagen, dass wir teilweise erst recht spät über bestimmte Vorgänge informiert werden und viele Fragen zu bestimmten Themen wie Prüfungen oder Anwesenheitspflichten etc. immer noch offen sind, wobei man dies in solch einer Ausnahmesituation vermutlich nicht komplett umgehen kann.  

Denkst du dein Studium wird unter Corona leiden? Und wenn ja – in welchen Situationen besonders?

F: Grundsätzlich würde ich sagen, dass mein Studium schon ein bisschen unter Corona leidet, da gerade in meinem jetzigen Studienabschnitt die praktischen Tätigkeiten im Vordergrund stehen sollten. Der Uni ist es gut gelungen, dass die Vorlesungen online stattfinden können, aber gerade der praktische Teil des Studiums, der sich in diesem Semester als sogenanntes „Skills lab" abgebildet hätte, kann nicht realisiert werden. Dort hätten wir die grundlegenden Fertigkeiten erlernt, die man für den Klinikalltag benötigt, wie z.B. das legen eines peripheren Venenkatheters, die Blutabnahme oder auch die Auskultation, Palpation und Perkussion, die die Grundlagen für eine gute Anamnese bilden. Ziel wäre es gewesen die Reife für kommende Famulaturen zu erlangen. Für mich wiegt dies besonders schwer, da ich mich nach dem vorklinischen Studium - inklusive des abschließenden Physikums, sehr darauf gefreut habe die theoretisch erlernten Inhalte endlich in der Praxis anzuwenden. Ich finde in diesem Punkt ist ein besonderer Qualitätsverlust in meinem Studium zu spüren, da gerade die Uni Münster dafür bekannt ist, dass sie sehr praxisnah arbeitet. Beispielsweise ist ein wichtiger Bestandteil der praktischen Ausbildung auch unser Studienhospital, in dem eine Patientenbehandlung mit Hilfe von professionell geschulten Schauspielern simuliert wird, all das fällt natürlich bis auf Weiteres aus. Natürlich sollen die praktischen Kurse und Übungen in Zukunft nachgeholt werden, aber dies fällt meiner Meinung nach dann schon zu Lasten des Studienverlaufs, da es mehr Arbeit in den nächsten Semestern bedeuten wird. Selbstverständlich verstehe ich aber, dass diese Maßnahmen notwendig sind und dafür ist es vollkommen okay, wenn sich auch bei uns ein wenig verändert.

Was vermisst du persönlich am meisten am normalen Unialltag?

F: Das ist ganz klar! Den täglichen Kontakt mit meinen Kommilitonen. Sei es das gemeinsame Lernen in der Bibliothek, die praktischen Übungen, oder auch der gemeinsame Austausch beim Mittagessen in der Mensa. Mir persönlich fällt es teilweise wirklich schwer, mich alleine Zuhause zum Lernen zu motivieren. Das kommt im normalen Unialltag zum Glück nur selten vor. Zudem geht natürlich teilweise mein „geregelter" Alltag verloren, bei dem ich mich für die Vorlesungen, Seminare oder Praktika fertig mache und wirklich auch vor Ort meine Zeit verbringe. Dadurch, dass meine Wohnung momentan alle Seminarräume, die Bibliothek und auch die Mensa ersetzt, fällt mir eine Trennung von der Uni und meiner Freizeit schwerer als sonst. 

Gibt es etwas, was du aktuell vielleicht anders machen würdest?

F: Ich frage mich aktuell beispielsweise, warum die Bibliotheken immer noch komplett für Besucher geschlossen bleiben müssen, obwohl dort genau wie in vielen anderen öffentlichen Gebäuden ein Mindestabstand von zwei Metern gut eingehalten werden könnte. Für mich wäre es wirklich schön, endlich mal wieder an einem anderen Ort als Zuhause am Schreibtisch zu lernen und einen anderen Ort zum „arbeiten" zu haben, da die Effizienz zuhause doch mit der Zeit nachlässt. Obwohl ein Großteil der Literatur zwar auch online verfügbar ist, ersetzt dies das umfangreiche Angebot der Bibliotheken nicht. Das dieses Spektrum online nicht vollständig abbildbar ist weiß ich natürlich, schon allein wegen der ganzen Lizenzen, die zusätzlich erworben werden müssten. Leider muss ich sagen, dass die Qualität der online Lektüren unter der Digitalisierung leidet und vieles nicht besonders nutzerfreundlich gestaltet ist. Gerade die unterschiedlichen Plattformen der großen Verlage sind sehr uneinheitlich und fehleranfällig, sodass man nicht wirklich gut in einen „Lernflow" kommt. Außerdem bin ich der Meinung, dass man langsam darüber nachdenken könnte - im Rahmen der Lockerungen - wieder Praktika in Kleingruppen zuzulassen, da unser Semester sowieso in Kleingruppen von sechs Leuten eingeteilt ist und jede Veranstaltung auch für diese Teilnehmerzahl ausgelegt ist. Das wäre meiner Meinung nach wichtig, um langsam die versäumten praktischen Erfragungen nachzuholen. Des Weiteren wäre etwas mehr Transparenz bzw. etwas mehr Informationen von Seiten der Universität schön, da man beispielsweise in Bezug auf die kommenden Prüfungen kaum Informationen erhält. Dies macht die Planbarkeit des gesamten Semesters äußerst schwierig.

Behandelt ihr das Thema Corona auch thematisch? Und wenn ja – deiner Meinung nach ausreichend?

F: Da muss ich wirklich sagen, dass sich unsere Fakultät und auch unsere Professoren sehr viel Mühe geben! In jedem klinischen Fach, sei es in der Mikrobiologie, der Infektiologie oder auch der klinischen Chemie haben wir ausführlichen Bezug zu Corona genommen. Die Professoren versuchen zudem auch immer die aktuellsten Forschungsergebnisse einzubringen, sodass ich mich wirklich gut informiert fühle. Zusätzlich hat unsere Fakultät zusammen mit dem UKM Münster das „MediCovid" Projekt ins Leben gerufen. Bei diesem Projekt erhalten alle klinischen Semester eine theoretische sowie praktische Schulung, um in einer Notsituation Corona-Patienten richtig diagnostizieren und behandeln zu können. Ebenfalls in Bezug auf notwenige Hygienemaßnahmen und die richtige Schutzkleidung wurden wir meiner Meinung nach im Rahmen dieses Projektes, aber auch in der Vorlesung sehr gut informiert. So ein intensives Programm in so einer kurzen Zeit auf die Beine zu stellen ist eine beachtliche Leistung, wie ich finde. Über 1800 Studierende in Münster haben sich dadurch freiwillig gemeldet, um im Notfall in den Kliniken aushelfen zu können. Außerdem hat das Institut für Ausbildungs- und Studienangelegenheiten (kurz IfAS), welches sich um die Qualität und Evaluation der Lehre kümmert, eine umfangreiche Seite erstellt, bei der man schnell und übersichtlich alle notwendigen Information rund um Covid-19 erhält.