Mittwoch, 22 April 2015 12:40

Viszeralchirurgie: Vielseitig operieren, aktiv heilen

Die Fachdisziplin Viszeralchirurgie umfasst alle Organe des Verdauungstraktes, sowie die endokrinen Organe, Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere. Viszeralchirurgen behandeln akute Verletzungen, Tumore, Erkrankungen und Fehlbildungen der Organe im Bauchraum. Auch Transplantationen werden innerhalb der Viszeralchirurgie vorgenommen. Als eine der wenigen chirurgischen Kliniken in Deutschland wird die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, endokrine Chirurgie und Coloproktologie im Münchener Stadtteil Neuperlach von einer Chefärztin und einem Chefarzt geleitet. Wir haben die Chefärztin Prof. Dr. Natascha Nüssler nach den Vorteilen ihrer Disziplin, den Zukunftsaussichten im Fachbereich Viszeralchirurgie und den Besonderheiten in Ihrer Münchener Klinik gefragt.

Doppelspitze = doppelte Expertise

Frau Prof. Nüssler ist spezialisiert auf den oberen Verdauungstrakt, wohingegen Dr. Ruppert den gesamten Dickdarm und den Enddarm behandelt. So können die Chefärzte ihre Expertise auf einzelne Bereiche konzentrieren und ihr Fachwissen ausbauen.

Wo im angloamerikanischen Raum eine solche Spezialisierung durchaus gängig ist, ist in Deutschland diese Doppelspitze noch ein Sonderweg. Die Expertise der Klinik beweisen zudem Zertifizierungen als Kompetenzzentrum für chirurgische Erkrankungen des Pankreas und der Leber und als Kompetenz- und Referenzzentrum für Coloproktologie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), sowie als Darmkrebszentrum der Deutschen Krebsgesellschaft. Die fachübergreifende Arbeit wird im Klinikum Neuperlach groß geschrieben. Neben interdisziplinären Stationen gibt es regelmäßige Spezialsprechstunden und Röntgenbesprechungen, in denen Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten zusammenkommen. In wöchentlichen Tumorkonferenzen werden Diagnostik- und Therapieentscheidungen individuell und interdisziplinär ausgearbeitet. Hier wird beispielsweise besprochen, ob die Heilungschancen für den jeweiligen Patienten steigen, wenn Primärtumor und Metastasen gemeinsam oder nacheinander operiert werden. „Obwohl unser Klinikum als größtes Darmkrebszentrum Deutschlands ausgewiesen ist, sind wir keinesfalls zu groß. So haben wir die Möglichkeit uns Zeit für die Sorgen der Patienten zu nehmen, was gerade bei akuten onkologischen Erkrankungen enorm wichtig ist.“, so Prof. Nüssler.

Fortschritt und Abwechslung

Gerade diese Spezialisierung und Interdisziplinarität werden laut Prof. Nüssler weiter zunehmen: „In Zukunft werden Operationen und Operationstechniken immer individueller geplant und gezielt auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten zugeschnitten. Dabei wird deutschlandweit vermehrt interdisziplinär gearbeitet, um die beste Therapie für jeden Patienten ermöglichen zu können. Innerhalb der Viszeralchirurgie wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt: Heute sind wir in der Lage eine Vielzahl an Metastasen innerhalb einer Operation zu entfernen. So ist es heutzutage beispielsweise möglich, auch bei einem starken Befall der Leber die Metastasen zu entfernen und die Patienten zu heilen.“ Besonders gefällt Prof. Nüssler an ihrem Fachbereich die kontinuierliche Abwechslung: „Die Viszeralchirurgie ist eine sehr interessante Disziplin, die Patienten wirklich helfen kann. Auch die Operationen sind sehr vielseitig: Vom Mund bis zum After führen wir, je nach Befund, konservative, offen chirurgische aber auch zunehmend minimalinvasive Operationen durch.“

Work-Life-Balance als Herausforderung

Seit 1991 ist Frau Prof. Nüssler in Krankenhäusern deutschlandweit tätig und weiß genau was einen attraktiven Arbeitgeber auszeichnet: „ Allgemein gilt: Die Angebote des Arbeitgebers müssen mit den Wünschen der Arbeitnehmer übereinstimmen. Junge Ärzte wollen in einer überschaubaren Zeit die Facharztprüfung absolvieren und sind so auf regelmäßige Fort- und Weiterbildungen angewiesen. Arbeitnehmer mit Kindern wünschen sich Teilzeitangebote oder schätzen in einer Vollzeittätigkeit Betreuungsangebote auf dem Klinikgelände. Verlässliche Arbeitszeiten sind natürlich ein Muss. Nacht- und Wochenenddienste lassen sich im Klinikalltag leider nicht vermeiden, daher sollten die Dienste stets frühzeitig feststehen.“ Prof. Nüssler ist selbst dreifache Mutter und hatte als Assistenz- und Oberärztin nicht die Möglichkeit ihre Kinder in einer Betriebskita betreuen zu lassen. Mit der Unterstützung ihres Mannes, einer städtischen Kita und einer Kinderfrau konnte sie die Kinderbetreuung allerdings meistern.

Ärzte mit Herz und Hand gesucht

Junge Ärzte, die sich vorrangig für die Chirurgie des Bauchraumes interessieren sind in der Fachdisziplin natürlich sehr gut aufgehoben und haben die Möglichkeit an vielen unterschiedlichen Organen zu operieren. Innerhalb des Fachs gibt es eine große Bandbreite an Spezialisierungsmöglichkeiten, die in Zukunft auch in Deutschland immer gefragter sein werden. Ein wichtiger Part innerhalb der Viszeralchirurgie ist der Patientenkontakt, auch mit schwer oder unheilbar Kranken, dem man bereits in der Facharztausbildung gewachsen sein muss. Doch vor allen Dingen kann ein Viszeralchirurg durch einen Eingriff Patienten effektiv helfen und aktiv zu einer Heilung beitragen!

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