Mittwoch, 03 Juni 2015 12:28

Diese medizinischen Fachrichtungen werden gesucht!

Studium beendet, auf in die Weiterbildung! Besonders hoch im Kurs unter den angehenden Fachärzten ist die Innere Medizin, dicht gefolgt von Frauenheilkunde und Pädiatrie. Doch welche medizinischen Fachrichtungen suchen die zukünftigen Arbeitgeber? Mit Hilfe unserer Analysetools haben wir herausgefunden welche Top 3 Fachrichtungen Deutschlands Kliniken wirklich suchen!

Platz 1 für vielseitige Handwerker mit Feingefühl

Am häufigsten werden Orthopäden und Unfallchirurgen gesucht – eine handwerkliche und technisch anspruchsvolle Disziplin! Im Jahr 2005 wurden Orthopädie und Unfallchirurgie zu einer Fachdisziplin zusammengefasst: „Die Assistenten bekommen so das breite Spektrum beider Fächer vermittelt. Als Facharzt können sie sich dann spezialisieren.“, so der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier.

Die kombinierte Facharztausbildung dauert ca. 6 Jahre – also nicht länger als eine durchschnittliche Weiterbildung. Dabei fallen 2 Jahre auf eine Basisweiterbildung im Bereich Chirurgie, die restlichen 4 Jahre konzentrieren sich auf Orthopädie und Unfallchirurgie. Auch zusätzliche Qualifikationen beispielsweise in den Bereichen Kinderorthopädie, Manuelle Medizin/ Chirotherapie, Akkupunktur, Rehabilitationswesen oder Sportmedizin sind möglich.

Der Alltag eines frisch gebackenen Facharztes umfasst auch Patientengespräche, Visiten, Fort- und Weiterbildungen sowie Stationsdienste. Zusätzlich kommen konservative Therapieverfahren wie Gipsen oder Einrenken und Zurechtrücken von Extremitäten zum Einsatz. Auch radiologische Verfahren müssen beherrscht werden, um während Operationen Röntgenbefunde zu ermitteln und zu beurteilen. Da eine Vielzahl an selbstständigen Eingriffen und Behandlungen Voraussetzung für den Abschluss der Facharztprüfung sind, ist eine grundsätzliche Freunde am Operieren ein Muss! Die harte Arbeit ist nicht umsonst: „Die Berufsaussichten für Orthopäden sind hervorragend“, so Dr. Siegfried Götte, Ehrenpräsident der Orthopädischen Gesellschaft für Osteologie.

Alter und zu wenig Bewegung haben Schuld

Besonders zwei starke gesellschaftliche Strömungen beeinflussen die Zukunft der Disziplin: Im Ärzteblatt wurde bereits darauf hingewiesen, dass in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg der altersbedingten Eingriffe im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie zu verzeichnen war. Erkrankungen wie Wirbelsäulenbeschwerden, Arthrose oder Osteoporose treten immer häufiger auf! Laut einer Studie des Bundesgesundheitsblatts aus dem Jahr 2010, wird die deutsche Bevölkerung im Jahr 2050 zwar um 16% geschrumpft sein, doch gleichzeitig wird die Zahl der 65-Jährigen um 38% und die Zahl der über 80-Jährigen um 156% steigen. Weiterhin wird prognostiziert, dass Arthrose zu den häufigsten Krankheiten im Jahr 2050 zählen wird –Orthopäden und Unfallchirurgen werden also in Zukunft noch dringender gebraucht!

Ein weiterer Faktor, der sich wohl so schnell nicht ändern wird, ist ein umfassender Bewegungsmangel bei Jung und Alt. Der menschliche Körper ist für Bewegung gemacht, nicht für stundenlanges Sitzen vor Computer, Fernseher und Co. Bauchmuskeln erschlaffen, der Rücken wird rund und Verspannungen stellen sich ein, die Ursache für Kopfschmerzen und Fehlbelastungen sein können. Aber nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch fächerübergreifende Kenntnisse sind gefragt. Dr. Burkhard Lehner, Sektionsleiter der Orthopädischen Onkologie und Septische Orthopädische Chirurgie des Universitätsklinikum Heidelberg, betont: „Man darf nicht auf eine orthopädische Ursache fixiert sein, nur weil der Patient in einer orthopädischen Klinik ist.“ So entpuppten sich die Rückenschmerzen eines seiner Patienten als Herzinfarkt. „Zum Glück hatte ich ein EKG angeordnet. Die Schmerzsymptomatik kam mir untypisch vor“, erklärt Dr. Lehner.

Natürlich kommt bei so vielen Aufgaben auch etwas zu kurz und das ist in dieser Disziplin die Forschung. In großen Kliniken besteht zwar die Möglichkeit, allerdings wird sie meist dem Klinikalltag untergeordnet.

Frauenpower in einer vermeintlichen Männerdomäne

Die Fachdisziplin ist mit einem gewissen Vorurteil des knochenbrechenden Hühnen behaftet. Doch das ist schon lange nicht mehr aktuell. Die Orthopädie und Unfallchirurgie ist keineswegs eine reine Männerdisziplin. Das Netzwerk Orthopädinnen e.V. kümmert sich um die Belange der Frauen in der Fachdisziplin. Gegründet im Jahr 2009 von 7 Orthopädinnen und Unfallchirurginnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich hier auch das Mentorenprogramm etabliert, in welchem erfahrene Kolleginnen Berufsanfängerinnen zur Seite stehen.

Orthopädie und Unfallchirurgie ist nichts für dich, aber du interessierst dich trotzdem für eine breit gefächerte Disziplin und arbeitest gerne im Team? Dann schau dir unsere Plätze 2 und 3 der meist gesuchten medizinischen Fachgesellschaften etwas genauer an!

Platz 2 für die inhaltlich breiteste Disziplin

Von wegen Langeweile: Anästhesisten arbeiten vielfältig und kennen die Risikofaktoren von Operationen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Auch hier ist die Zukunft gesichert, denn: Ohne Anästhesist, keine OP! Einen ausführlichen Artikel zu dieser Fachdisziplin mit einem Interview mit dem begeisterten Anästhesisten Dr. Stephan-Matthias Reyle-Hahn, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und interdisziplinäre Intensivmedizin im evangelischen Waldkrankenhaus Berlin-Spandau, gibt es auch hier auf unserem Blog!

Platz 3 für lange Nächte und unbezahlbare Momente

Teamarbeit in stressigen Situationen zusammen mit Krankenschwestern, Hebammen und Anästhesisten ist in der Gynäkologie und Geburtshilfe gefragt! Ebenso ist eine große Portion Einfühlungsvermögen, auch in langen Nachtdiensten, vonnöten. Wenn man für die medizinische Versorgung von 50% der Menschheit zuständig ist, braucht man auch in dieser Disziplin keine Angst vor der Zukunft haben! Einen ausführlichen Bericht über diese Fachdisziplin haben wir ebenfalls auf unserem Blog veröffentlicht!

Auf Grund ihres breiten Anwendungsbereichs und der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sind diese Disziplinen so gefragt! Gerade der demografische Wandel beeinflusst die steigende Nachfrage – Arthrose-Patienten, vermehrte Operationen und immer spätere Schwangerschaften sind hier wichtige Faktoren! Ob handwerkliches Geschick, breit gefächerte Kenntnisse von Risiken während Operationen oder eine Tätigkeit von minimal-invasiven Operationen über Ultraschalldiagnostik und Notfallmedizin– wer als junger Arzt eine unserer Top 3 gesuchten medizinischen Fachdisziplinen ergreifen möchte, hat einen breiten Handlungsspielraum!

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