Dienstag, 30 Juni 2015 12:23

Lohnt sich die Mitgliedschaft in einer Fachgesellschaft?

Alle Ärzte, mit denen wir bereits für unseren Blog gesprochen haben, waren Mitglieder in medizinischen Fachgesellschaften. Ist es also für jeden Arzt ein Muss Mitglied in einer Fachgesellschaft zu sein? Wer kann eintreten und was bringt eine Mitgliedschaft? – nur dazugehören oder wirkliche Unterstützung? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, starten wir eine neue Reihe auf unserem Blog, in der wir direkt bei den Fachgesellschaften nachfragen. Anfangen wollen wir mit der Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie, Frau Prof. Dr. Lüftner.

Tradition respektieren – neue Ideen umsetzen

Kurz zu den Grundlagen: Eine medizinische Fachgesellschaft ist ein Zusammenschluss von wissenschaftlich aktiven und interessierten Medizinern eines Fachgebietes, die sowohl politisch, als auch in der Forschung und Weiterbildung innerhalb ihrer Fachdisziplin Fortschritte erreichen wollen. Alle Fachgesellschaften sind wiederum in der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) organisiert, die Deutschland im Rat für Internationale Organisationen der medizinischen Wissenschaft vertritt. Die zuerst nur auf Hämatologie spezialisierte „Deutsche Gesellschaft für Hämatologie“, wurde wegen der zahlreichen gemeinsamen Behandlungsansätzen mit der medizinischen Onkologie im Jahr 1977 zur heutigen „Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinischer Onkologie“. Vorsitzende seit 2012 ist Frau Prof. Dr. Lüftner: Oberärztin an der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité Berlin. „Für die knapp 2900 Mitglieder unserer Fachgesellschaft übernehme ich die Organisation von Tagungen, helfe bei der Umsetzung von Ideen und präsentiere alle Resultate unseren Mitgliedern und der Öffentlichkeit.“

Besondere Unterstützung für Studierende

„Eine unserer Hauptaufgaben ist die Organisation der Fort- und Weiterbildung von jungen Medizinern. Dabei unterstützen wir bei der Organisation der Weiterbildung, achten auf die Finanzierbarkeit und bringen angehende Fachärzte mit Experten aus ihrem Fachbereich zusammen.“, erzählt uns Frau Prof. Dr. Lüftner. „Ein erklärtes Ziel unserer Fachgesellschaft ist zudem die stetige Ausarbeitung und Verbesserung des Fort- und Weiterbildungskataloges.“, so Prof. Dr. Lüftner weiter. Zentrale Anlaufstelle für die Förderung von Studierenden ist die jährliche Juniorakademie. Während dieser 3 tägigen Klausurtagung können die Teilnehmer in Plenarsitzungen, Workshops und Freizeitaktivitäten das Fach näher kennenlernen und sich über Berufsperspektiven, Weiterbildung und den gesundheitspolitischen Stand der Fachdisziplin informieren – bei Interesse kann auch eine 2 jährige kostenlose Mitgliedschaft eingegangen werden. „Die jährliche Frühjahrstagung richtet sich dann an alle unsere Mitglieder: In Vorträgen, Debatten und Weiterbildungen können sich hier alle Mitglieder auf den neuesten Stand in der Hämatologie und Onkologie bringen lassen und sich austauschen.“ erläutert Prof. Dr. Lüftner.

Einsatz für Frauen in Führungspositionen

„Ein weiteres Ziel unserer Fachgesellschaft ist die Förderung von Frauen in der Medizin. Viele Frauen wählen die Hämatologie und Onkologie als medizinischen Schwerpunkt, trotzdem sind Frauen, insbesondere Mütter, immer noch unterrepräsentiert in Führungspositionen. Für mich als Vorsitzende ist es daher ein besonderes Anliegen Frauen zu fördern und Rollenmodellen sowie starren Arbeitszeiten entgegenzuwirken! Ein Mentorenprogramm ist in unserer Fachgesellschaft bereits etabliert, um die Karrierechancen für Frauen zu sichern. Wir möchten Ärztinnen in unserer Fachgesellschaft gezielt dazu ermutigen sich fachlich und persönlich ungehindert weiterzuentwickeln.“, betont Prof. Dr. Lüftner.

Einsatz für Patienten im In- und Ausland

Mit der Stiftung „Junge Erwachsene mit Krebs“ unterstützt die DGHO besonders Patienten im Alter von 15 bis 35 Jahren. „Die meisten jungen Leute erkranken während ihrer Ausbildung und vor der Familiengründung. Da sind ganz andere Maßnahmen relevant als bei älteren Leuten, die ihre Berufsausbildung und Familienplanung bereits abgeschlossen haben.“, erklärt Prof. Dr. Lüftner. Auch der Präsident der DGHO Prof. Dr. Mathias Freund betont: „Die Stiftung verfolgt konkret das Ziel, die Versorgung der jungen Patientinnen und Patienten mit Krebs zu verbessern und die Forschung auf diesem Gebiet zu intensivieren und zu fokussieren.“ „Mit unserer Forschung stehen wir in engem Kontakt mit hämatologischen und onkologischen Fachgesellschaften im Ausland und können die Forschungsinhalte in unserem Fach auch international mitbestimmen.“, so Prof. Dr. Lüftner.

Lohnt sich eine Mitgliedschaft?

Wenn man sich während des Medizinstudiums schon sicher ist, dass man sich auf Hämatologie oder medizinische Onkologie spezialisieren möchte, lohnt sich eine Mitgliedschaft in der DGHO: 2 Jahre freie Mitgliedschaft, die Vernetzung mit Experten aus dem Fach und Unterstützung bei Fort- und Weiterbildungen sind klare Vorteile. Auch etablierte Ärzte profitieren von der internationalen Ausrichtung der DGHO und vom Austausch mit fachkundigen Kollegen. Doch wie steht es um die Mitgliedschaft in anderen Fachgesellschaften? Das werden wir in unserer Reihe herausfinden…

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