Montag, 26 Juni 2017 09:21

120. deutsche Ärztetag - was wurde gesagt?

Der 120. deutsche Ärztetag hat der unverhältnismäßigen Ökonomisierung eine Absage erteilt.

Was das bedeutet? Wir fassen zusammen:


 
Die 17 Landesärztekammern entsenden jedes Jahr insgesamt 250 Delegierte zur Hauptversammlung der Bundesärztekammer. Dort entscheiden sie über länderübergreifende Regelungen zum Berufsrecht und über Positionen der Ärzteschaft zu politischen Themen. Und vom 23. bis 26. Mai wurden in Freiburg so einige Positionen klargemacht

 

MVZ


Eine leistungsabhängige Vergütung, die die Behandlungsergebnisse beeinflussen kann, wird abgelehnt. Der deutsche Ärztetag legt fest, dass dies der ärztlichen Berufsordnung widerspricht. Ökonomische Anreize dürfen nicht schwerer wiegen als fachliche Angemessenheit.
 


Ambulante Versorgungsstrukturen


Die ambulanten Versorgungsstrukturen bilden sich teilweise zu konzernartigen Strukturen aus. Die Bundesärztekammer fordert Richtlinien, die diese Größen begrenzen.

 
DRG-Reform


Bedarfsgerechtigkeit in der Patientenversorgung sollte das Ziel sein. Dies kann nur durch Reformen in der Betriebskostenfinanzierung erreicht werden.
 


Zur Rolle der Krankenhäuser


Krankenhäuser müssen wirtschaftlich agieren, keine Frage. Doch: Wenn Ärzte durch ökonomische Ziele permanent unter Druck gesetzt werden, kann dies negative Konsequenzen haben – nicht zuletzt wirtschaftlich. Um die ungleiche Gewichtung von ökonomischen Zielen zu verhindern, wird nahegelegt, die Position des ärztlichen Direktors zu stärken.
Durch die konzentrierte Aktion „aktive Pause“, bei der die Ärzte ihre Arbeit unterbrechen sollen, soll das Bewusstsein für den Stellenwert der Mediziner*innen geschärft werden.
 


Verkauf von Praxen an Konzerne


Die Bundesärztekammer appelliert an ihre Kollegen: Ob man seine Praxis an lediglich gewinnorientierte Käufer abgibt, sollte scharf überdacht werden.
 


Weiterbildung


Die Gehälter der Ärzte in der Weiterbildung müssen vollständig refinanziert werden – auch die Supervision durch die Weiterbildner sollte entschädigt werden. Die Weiterbildung an sich sollte am Ergebnis orientiert sein und nicht am Ableisten von Zeiten – die Weiterbildungsordnung wurde dahingehend geändert.
 
 


Und weitere politische Standpunkte wurden formuliert:

  • Sich in stationärer Behandlung befindliche Geflüchtete sind nicht reisefähig und können daher nicht abgeschoben werden. Hier fordert die Bundesärztekammer besonders: rechtliche Sicherheit und rechtliche Klarheit.
  • Die Streitfrage um Glyphosat soll durch weitere – und vor allem industrieunabhängige Tests - geklärt werden.
  • Gesundheitskompetenz muss gefördert werden.Gesundheitskompetenz wurde definiert als der Beitrag, den der Patient leisten kann, um einer idealen Arzt-Patienten-Beziehung nahe zu kommen.
  • Heilpraktiker üben keinen Gesundheitsfachberuf aus!
    Denn belegen lässt sich nur mit Sicherheit, dass von ihnen keine Gefahr für die Volksgesundheit ausgeht. Tatsächlich positive Auswirkungen kann man nicht belegen.
     
     
    Das vollständige Beschlussprotokoll finden sie hier.

Die Bundesärztekammer hat sich klar positioniert. Nun wird es spannend: Kann sie ihren Einfluss nutzen, um diese Ziele voranzutreiben?

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