Montag, 08 Februar 2016 10:19

Uniklinik adé – warum Sie jetzt auf dem Land arbeiten sollten

Auf dem Weg zwischen zwei Hausbesuchen mit dem Auto in einer Kuhherde stecken bleiben, Opa Horst regelmäßig Rheumasalbe verschreiben und Samstagabend Bauer sucht Frau anstatt auszugehen. Ärzte haben viele Vorurteile gegenüber der Arbeit im ländlichen Raum. Warum es sich auch lohnen kann, die Stadt zu verlassen, hat uns Dr. Swol verraten.

Sie hat als Oberärztin die Intensivstation an dem BG Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum geleitet und ist nun Chefärztin für Intensiv- und Notfallmedizin in der Kreisstadt Kronach in Oberfranken, im nördlichen Teil von Bayern. „Zuallererst ist es eine individuelle Entscheidung, ob man eher ein Stadt- oder ein Landmensch ist. Ich persönlich hatte schon lange den Wunsch, auf dem Land zu leben“, stellt Dr. Swol zu Beginn unseres Gesprächs klar. Wo sich Ärzte in Ballungsgebieten zusätzlich gegen die ärztliche Konkurrenz durchzusetzen müssen, können sich Ärzte in eher dünn besiedelten Gebieten ganz auf ihre Kernaufgabe konzentrieren. Aber auch hier kann Freizeit zu einem raren Gut werden, wenn ein hohes Patientenaufkommen in einem großen Einzugsgebiet bewältigt oder eine Praxisnachfolge gefunden werden muss.

Verantwortung wird belohnt

„Durch die niedrigere Versorgungsdichte auf dem Land fällt eine Bandbreite an Fachärzten weg. Hier bin ich erstmal auf mich gestellt und muss meinem Fachwissen und meiner ganzheitlichen Einschätzung vertrauen. Dabei helfen mir aber Erfahrungen aus meiner Zeit in Bochum und in Regensburg, wo ich von erfahrenen Ärzten gelernt und sehr viele unterschiedliche Patienten behandelt habe“, erklärt Dr. Swol. Auf dem Land kann man als Arzt das wertvolle Vertrauen der Patienten gewinnen, denn es spricht sich schnell herum, wenn sich die Patienten kompetent behandelt fühlen. Genauso ist es aber auch umgekehrt: die Patientenmeinung über arrogante Ärzte, inkompetentes Verhalten oder fehlerhafte Behandlung verbreitet sich ebenso schnell über die „Mundpropaganda“ und kann im schlimmsten Fall zu finanziellen Einbußen der Klinik führen. Auch die Betreuungssituation für Kinder ist auf dem Land besser als gedacht: „Für meinen Sohn habe ich umgehend einen Kindergartenplatz bekommen. Die Klinik in Kronach kooperiert mit den umliegenden Kindergärten, sodass Kinder ab drei Jahren bis 18 Uhr betreut werden können“, berichtet Dr. Swol.

Landluft für junge Ärzte

Um mehr junge Ärzte von der Arbeit auf dem Land zu überzeugen, hat die HELIOS Frankenwaldklinik in Kronach das Lucas Cranach Stipendium ins Leben gerufen. Studierende der Humanmedizin erhalten pro Monat eine Unterstützung von mindestens 500€ und verpflichten sich gleichzeitig, nach ihrem Studienabschluss mindestens drei Jahre an der Frankenwaldklinik eine Facharztweiterbildung zu absolvieren. Eine super Gelegenheit für alle angehenden Mediziner, die sich vorstellen können Landluft zu schnuppern. Wer auf dem Land den Beruf des Arztes als Berufung sieht, wird hier schnell das Vertrauen seiner Patienten gewinnen und sich selbstbewusst als Arzt entfalten können. Also ab ins Grüne!

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