Sabbatical für Ärzte – berufliche Auszeit über dem Tellerrand

Geschrieben von Marie Heide am . Kategorie Themen

Gerade im fordernden Krankenhausalltag kommen Hobbys oft zu kurz und nicht selten werden lang gehegte Pläne zu Träumen. „Das hole ich alles im Ruhestand nach!“, ist eine beliebte Ausrede. Doch wann genau saßen wir das letzte Mal ganz entspannt mit unseren Lieben zusammen? Warum wird die blöde Erkältung nicht besser und für eine berufliche Weiterbildung wäre es auch langsam mal Zeit!

Motto - Pause

„Sabat“ bedeutet im Hebräischen „inne halten“ und entstammt einem Gebot der Tora, welches vorsah, alle sieben Jahre Felder und Weinberge nicht zu bewirtschaften.
So wie das Feld ruht und nicht seiner letzten Kapazitäten beraubt wird, so soll das Sabbatical auch die Kräfte des Arbeitnehmers schonen.
Diese berufliche Auszeit dauert gewöhnlich zwischen drei bis zwölf Monaten und ist darauf ausgelegt persönliche Projekte zu verwirklichen, Zeit mit der Familie zu verbringen oder sich beruflich weiterzubilden. Unter Lehrern und Beamten ist ein Sabbatjahr durchaus gängige Praxis. Aber kann ein Sabbatical für Ärzte auch funktionieren?

Planung ist alles

Eins ist klar: Eine solche Auszeit braucht eine sorgfältige Vorbereitung. Doch keine Angst, die Mühe lohnt sich!
Sabbatical-Coach Andrea Oder hat sieben Schritte zu einem erfolgreichen Sabbatical entwickelt:

  • Auszeitziele finden
  • Zeit und Geld fürs Sabbatical
  • Den Chef überzeugen
  • Der Sabbatical- Vertrag
  • Die konkrete Auszeitplanung
  • Ihre Kosten und nicht zu vergessen
  • Die Rückkehr

Auf ihrer Webseite bietet sie eine schrittweise Planung der beruflichen Auszeit.
Auch die Webseite sabbatjahr.org informiert umfassend über die Wege in ein Sabbatical.

Ein gelungenes Sabbatical für Ärzte ist möglich

Der Schweizer Facharzt für Chirurgie, Prof. Dr. Gian A. Melcher, hat sein Sabbatjahr wunderbar umgesetzt und zeigt damit, dass ein Sabbatical für Ärzte funktionieren kann. Seine viermonatige Auszeit widmete er Fortbildung und Freizeit.
Dabei gesteht er ein, dass der Verwaltungsrat seiner Klinik einem Sabbatical ohne den Weiterbildungsaspekt wohl nicht zugestimmt hätte.
Die beruflichen Aufenthalte in Großbritannien und Deutschland brachten ihm neue Erfahrungen und einen entspannten Blick auf seinen Beruf: „Neben fachlichen, organisatorischen und gesundheitspolitischen Inputs vermochten diese Aufenthalte auch immer wieder die im chirurgischen Alltag eines Chefarztes teilweise als sehr anstrengend und mühsam empfundenen Probleme etwas zu relativieren. Grundsätzlich banale Erkenntnisse wie ‘So schlecht geht es uns gar nicht.’ oder ‘Die kochen auch nur mit Wasser.’ wirken äusserst wohltuend.”, so Melcher.
Seine Freizeit widmete der Chirurg der Besichtigung von Klöstern aus dem UNESCO-Welterbe. Dort fand er Zeit zur Meditation und konnte sich vom Leistungsdruck entfernen. Seine Erfahrungen mit Tipps und Tricks zur Planung eines Sabbaticals hat er in der Schweizerischen Ärztezeitung und auf der Webseite des Spital Uster veröffentlicht.

Viele Wege führen zur Selbstverwirklichung

Allerdings klappt ein Sabbatical nicht immer so reibungslos wie bei Prof. Dr. Gian A. Melcher.
Ein Umdenken findet nur langsam statt, denn obwohl Firmen, die ein Sabbatjahr anbieten, positiv auf die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter einwirken und sich großer Beliebtheit erfreuen, ist nicht jeder gewillt eine Auszeit zu gewähren.
Der Wunsch nach einem Sabbatjahr wird nicht selten als Motivationsschlappe abgetan und nicht bewilligt.
Doch das ist kein Grund, sich entmutigen zu lassen und den Wunsch nach einer persönlichen Auszeit zu verwerfen. Ein tolles Beispiel für eine alternative Auszeit ist die deutsche Journalistin Carola Hoffmeister, die mit ihrem Mann und der sechs Monate alten Tochter die gemeinsame Elternzeit in New York verbrachte.
Ein Sabbatjahr muss sorgfältig vorbereitet werden und benötigt im Vorfeld viel Herzblut und Engagement, doch es zahlt sich aus! Ist ein Sabbatical für Ärzte in Planung, ist es sehr wichtig, den Arbeitgeber frühzeitig zu informieren und eine Vertretung zu organisieren. Sollte der Wunsch im ersten Anlauf abgelehnt werden, ist Kreativität, wie bei Carola Hoffmeister, gefragt.
Viele weitere Erfahrungsberichte und Informationsseiten geben Anregungen, wie ein Sabbatjahr trotz Schwierigkeiten umgesetzt werden kann. Einige haben wir in diesem Artikel verlinkt. Und das Wichtigste ist reden, reden, nochmals reden und der Austausch mit Kollegen. Denn nur so kann das Sabbatical die Anerkennung finden, die ihm in den unterschiedlichsten Berufsgruppen zustehen sollte.

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