Patenmodell: Geflüchtete Ärzte sollen in Bremen hospitieren

Geschrieben von Anna Oelsner am . Kategorie Themen

Patenmodell„Der syrische Arzt ist die Ausnahme“, sagt Arbeitsministerin Andrea Nahles. Doch obwohl nicht nur Ärztinnen und Ärzte in Deutschland Zuflucht suchen, kommen sie trotzdem bei uns an und könnten unser Gesundheitswesen sehr gut unterstützen.
Allerdings vergeht zwischen dem Überqueren der deutschen Grenze bis zum ersten Arbeitstag eine lange Zeit. Die Ärztekammer in Bremen hat eine Idee, wie diese Zeit sinnvoll genutzt werden kann.

Der lange Weg zur Approbation

Um in Deutschland als Arzt praktizieren zu können, benötigen Ärzte aus dem Ausland eine Approbation oder eine Berufserlaubnis. Speziell im Bundesland Bremen ist es so, dass eine Zusage für eine Stelle in einem Krankenhaus Voraussetzung für eine Berufserlaubnis ist. Vorher dürfen ausländische Ärztinnen und Ärzte in Deutschland nicht medizinisch tätig sein.
Doch wie sollen geflüchtete Ärzte im Krankenhausbetrieb Ihr Können unter Beweis stellen, wenn sie rein rechtlich gar keine medizinischen Tätigkeiten ausüben dürfen?
Im Gegensatz zum Praktizieren ist Hospitieren allerdings erlaubt, was die Bremer Ärztekammer auf eine Idee brachte: Sie wollten geflüchteten Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit geben, bei erfahrenen Bremer Kollegen zu hospitieren, um das deutsche Gesundheitssystem kennenzulernen.

Dr. Johannes Albers empfindet das als eine tolle Möglichkeit für ausländische Ärzte, um einen Schritt näher an die Approbation zu gelangen! So können ausländische Ärztinnen und Ärzte ihr Fachwissen zeigen und bekommen eine Chance auf ein Stellenangebot. Dr. Johannes Albers ist Chirurg an der Bremer Roland-Klinik und engagiert sich als Pate eines syrischen Arztes.
Mit einem Stellenangebot an einer Klinik sind aber noch nicht alle Hürden überwunden: Ausländische Ärztinnen und Ärzte erhalten mit dem Antritt der neuen Stelle eine zweijährige vorläufige Berufserlaubnis. In dieser Zeit arbeiten sie unter Aufsicht und müssen sich auf die Gleichwertigkeitsprüfung und den Sprachtest vorbereitet.
Der Ablauf der Gleichwertigkeitsprüfung variiert von Bundesland zu Bundesland und ist meist mit hohen Kosten verbunden.

Hospitieren statt Praktizieren

Nicht approbierte Ärzte können in Deutschland einer entlohnten Arbeit nachgehen, nur eine Tätigkeit als Arzt dürfen sie nicht ausüben und haben demnach in diesem Berufszweig auch keinen Anspruch auf Entlohnung.
Daher herrschte im Zusammenhang mit dem Patenprojekt eine allgemeine Verunsicherung wegen des 2015 in Kraft getretenen Mindestlohngesetzes: Sind Hospitierende mit Praktikanten gleichzusetzen? Ist eine Hospitation von nicht approbierten Ärzten mit dem Mindestlohngesetz vereinbar?

Um diese Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen, bat die Präsidentin der Bremer Ärztekammer, Dr. Heidrun Gitter, Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner um die Klärung der rechtlichen Unsicherheiten.
Dabei war für Dr. Gitter stets klar: „Das Patenmodell soll eine zeitlich begrenzte Hilfestellung und kein Freibrief für die unentgeltliche Beschäftigung ausländischer Ärzte im Krankenhaus sein!“

Ein Schritt nach dem anderen

Der Wirtschaftssenator kam zu folgendem Ergebnis: Ausländische Ärzte dürfen in Kliniken hospitieren, solange sie „nur begleiten und beobachten“, denn so gelte der Hospitant als Gast und nicht als Praktikant vor dem Mindestlohngesetz.
Mittlerweile gibt es auch einen Mustervertrag, den Herr Dr. Albers bereits für seinen Schützling eingereicht hat.
Bisher ist allerdings noch keine Hospitation in Bremer Krankenhäuser angelaufen und Dr. Albers kennt auch keine Kollegen, die sich derzeit für das Patenprojekt engagieren.
Trotzdem ist er optimistisch. Er ist froh, dass der Wirtschaftssenator eine Lösung für die Beschäftigung im Krankenhaus formuliert hat und dass es einen Vertragsentwurf für die Hospitation gibt. Derzeit sind die Krankenhäuser bei diesem Thema noch sehr vorsichtig.

Kliniken befürchten rechtliche Verwicklungen, wenn Hospitanten den Anspruch auf eine Festanstellung richterlich prüfen lassen oder mögliche Schäden entstehen, wenn bei der Behandlung von Patienten ein Hospitant mithilft und nicht nur zuschaut.

Jetzt ist es spannend zu beobachten, wie sich das Patenprojekt in Bremen entwickeln wird. Dr. Albers will uns auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.
Auf längere Sicht wäre es sicherlich sinnvoll zu ermitteln, ob Ärztinnen und Ärzte, die an diesem Projekt teilnehmen, schneller ihre Approbation erlangen und ob dieses Modell auch ein Vorbild für andere Bundesländer sein kann.

Gerade im Zuge des demografischen Wandels und der steigenden Anzahl an Menschen, die zu uns kommen, ist es von Bedeutung, gut ausgebildete Ärzte zu haben, die Sprachbarrieren überwinden und unser Gesundheitssystem tatkräftig unterstützen können. Ein gelungenes Patenprojekt für geflüchtete Ärzte würde maßgeblich zur Willkommenskultur beitragen und wäre ein großer Schritt hin zu einer gelungenen Integration.

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