Dienstag, 05 Dezember 2017 15:30

Stille Nacht? Weihnachten in der Notaufnahme

Es ist egal, ob Heiligabend auf einen Sonntag fällt oder nicht. Die Notaufnahmen sind auch über die Feiertage geöffnet. Gottseidank. Es ist also Zeit den Medizinern besondere Dankbarkeit und Respekt zu zeigen – und sich die Situation deutscher Notaufnahmen allgemein einmal genauer anzuschauen.

Die Konzentration in den Notaufnahmen Deutschlands ist sehr unausgeglichen: Aktuellen Analysen zufolge werden im Durchschnitt rund 1,7 Patienten pro Stunde in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt. Die Zahlen steigen jährlich um durchschnittlich 8 Prozent.  Die steigenden Fallzahlen kommen nicht von ungefähr. Es gibt immer mehr ältere und kränkere Menschen, fehlende Ärzteversorgung auf dem Land und lange Wartezeiten auf Facharzttermine. Manche Patienten warten lieber stundenlang in einer Notaufnahme als wochenlang auf einen Facharzttermin.

Doch die Konzentration in den Notaufnahmen Deutschlands ist sehr unausgeglichen: knapp ein Drittel der Krankenhäuser versorgt mehr als zwei Patienten pro Stunde. Etwa ein Fünftel der Notaufnahmen in Deutschland erreicht regelmäßig eine Auslastung von mehr als fünf Patienten pro Stunde, bei einem weiteren Fünftel liegt die durchschnittliche Auslastung dagegen unter 0,4 Patienten pro Stunde.
Entscheidend ist dabei die räumliche Lage der Notaufnahme: in Ballungszentren ist die Auslastung höher als in ländlichen Gebieten. Die kleineren Notaufnahmen weisen teilweise Defizite in ihrer apparativen Ausstattung auf. Außerdem kann der Erfahrungsschatz des Personals bei geringeren Fallzahlen nur langsam wachsen. Die Versorgung in den großen Notaufnahmen sei deutlich besser, Das besagt eine Studie aus den USA, die zeigt, dass bei Notaufnahmen mit weniger als 2,3 Patienten pro Stunde (20.000 Patienten pro Jahr) höhere Sterblichkeitswerte vorherrschen. In Deutschland werden aber nur in knapp einem Drittel der Notaufnahmen überhaupt mehr als 2 Patienten pro Stunde behandelt. Diese Zahlen liegen weit unter europäischen Vergleichswerten.

Hier gibt es Ideen zu Kooperationen zwischen Krankenhäusern. Diese Überlegungen klingen zunächst sinnhaft, werden aber schnell davon begrenzt, dass eine Versorgung echter Notfälle flächendeckend zu gewährleisten ist. In den Ballungszentren könnte eine Zusammenlegung ohne negative Auswirkungen auf die Erreichbarkeit der Notaufnahmen für die Patienten stattfinden, jenseits dieser Gebiete allerdings könnten die Auswirkungen fatal sein. 

Trotz der unausgeglichenen Konzentration sind sich Notfallmediziner einig: An den Feiertagen gibt es ein erhöhtes Patientenaufkommen, egal in welcher Region. Und da die meisten Praxen in der Zeit zwischen den Jahren geschlossen bleiben, wird das Krankenhaus bei Zwischenfällen jeglicher Art somit die erste Anlaufstelle. Die Diagnosen sind dabei so verschiedenen wie die Patienten: Knochenbrüche, Alkoholvergiftungen, nicht enden wollendes Fieber, Verdacht auf Herzinfarkt. Rechtlich und ethisch gesehen muss jeder Patient angehört werden. Zwischenmenschlich gesehen muss auch jeder Patient ernst genommen werden, so gering sein Leiden neben dem der anderen auch wirken mag. Die Freundlichkeit und das Feingefühl des medizinischen Personals bleiben auf einem konstant hohen Level, so unterschiedlich die Anliegen der Patienten auch sind.
Und dabei wünscht sich das Personal zu Weihnachten meist nur eines, und zwar einen ruhigen Dienst. Ein bisschen für sich selbst, aber ganz besonders für die Patienten. Und das wünschen wir uns und Ihnen auch!